Hannes Schwarz, CEO von ifolor in dritter Generation, führt das Familienunternehmen in sein 60-jähriges Jubiläum. 2021 darf das Familienunternehmen mit Sitz in Kreuzlingen am Bodensee auf 60 spannende Jahre zurückschauen. Denn vieles hat sich verändert: in der Welt und in der Fotobranche. Hannes Schwarz und sein Vater Philipp Schwarz, Verwaltungsratspräsident, blicken gemeinsam auf die Highlights des von Grossvater Peter Schwarz gegründeten Unternehmens zurück.

Zurück zu den Wurzeln: Philipp, ifolor wurde 1961 von deinem Vater Peter Schwarz gegründet, damals unter dem Namen Photocolor. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Mein Vater hat ein Kundenbedürfnis erkannt. Er war Unternehmer und hat das Unternehmertum wahrlich gelebt. So ist die Photocolor Kreuzlingen AG als Fotolabor für Grosskunden entstanden. Also erstmal ein klassisches B2B-Geschäft. Er realisierte nach und nach, dass die Absichtserklärungen der damaligen Grosskunden und Fotohändler nicht immer der Realität entsprachen. Nach einer Studienreise in die USA kam er zurück mit der Idee, die Konsumenten direkt, ohne Zwischenhandel sondern mittels Versand zu bedienen. 1968 ging er mit dem Angebot «gleicher Preis wie bei der Migros, aber zusätzlich mit Gratisfilm» auf den Markt und hatte von Anfang an grossen Erfolg.

Peter Schwarz (Mitte) im Jahr 1963 gemeinsam mit Mitgliedern des Verwaltungsrates in der Produktion.

Wie ging es weiter, wann erfolgte dein Einstieg ins Familienunternehmen?

Es gab damals weitere Marktteilnehmer, auch wenn wir der Marktführer waren bis 1981, als der Fotolabo Club SA in Montpreveyres in den Markt eintrat und unseren Preis von einem Franken pro Bild plus Gratisfilm und «Gratisgeschenkli» halbierte. In der Folge brach unser Geschäft während dreier Jahre um je 20 Prozent ein. Die Konzentration auf wenige Formate, die Halbierung des Preises, dafür ohne «Gratisgeschenke», kombiniert mit dem Clubgedanken verfing bei den Kunden. Erstmal dachte die gesamte Branche in der Schweiz, dass Fotolabo seine Tiefpreisgestaltung nicht lange aufrechterhalten könne.

Aufgrund des anhaltenden Umsatzrückgangs wurden auf Druck des Verwaltungsrats Strategie, Organisation und Prozesse überprüft, mit dem Resultat, dass die damalige Geschäftsführerin ausschied. So übernahm ich, frisch ab Studium und seit wenigen Monaten als Marketingassistent im Geschäft, gemeinsam mit meinem Mentor Karl Hagedorn, einem langjährigen Freund der Familie, die Geschäftsführung. Es galt, möglichst schnell eine neue Strategie zu definieren und für deren Mithilfe und Umsetzung in Marketing und Produktion die entsprechenden Spezialisten zu rekrutieren. Das Rad musste nicht neu erfunden werden, Fotolabo hat es zum Teil vorgemacht: Entrümpelung der Gratisgeschenke, Fokussierung auf die gängigsten Film- und Fotoformate mit entsprechend schlanken Produktionsprozessen sowie eine zügige Umsetzung aller Massnahmen. Und wichtig: eine Marketingkampagne, die einschlägt. Unsere damalige Werbeagentur GGK entwickelte kurze Fernsehspots mit Laiendarstellern, die nur die Filmtasche mit dem neuen Preis von 29 Rappen in der Hand hielten und dabei machen durften, was sie wollten. Von Jodeln über nur Lachen bis hin zu ungläubigem Staunen oder blankem Entsetzen und noch einigem mehr. Persönlichkeiten jeden Alters und Geschlechts mit starkem Ausdruck – mehr nicht, aber das sass. Die Umsätze schossen wieder in die Höhe. Bis zur Substitution der analogen Fotografie durch die digitale um die Jahrtausendwende haben wir unser Geschäft kontinuierlich erweitert. Im Jahr 2000 lancierten wir den ersten Online-Fotoservice in der Schweiz.

Was anfänglich zögerlich begann, entwickelte sich mit der Lancierung der Software für die eigene Gestaltung eines Fotobuchs ab 2005 rasant. Die Kunden waren begeistert und weitere Produkte wie Fotokalender, Fotogrusskarten, etc. folgten.

Grund zu Feiern an Weihnachten: Philipp Schwarz wird im Jahr 1993 VR-Präsident.

Worauf basiert das Erfolgsrezept von ifolor?

Schon mein Vater hat die Bedürfnisse des Kunden ins Zentrum des damaligen Serviceangebots gestellt. Zwischenzeitlich ging dieser Blick etwas verloren. Mittlerweile stehen aber mehr denn je Nutzererlebnis und Kundenzufriedenheit im Fokus unserer Tätigkeit.

Was heisst das konkret?

Unsere DNA basiert auf dem Geschäft mit den Endkonsumenten, auf einem mengenfähigen Sortiment, das in hoher Qualität produziert werden kann, sowie einer moderaten Preisgestaltung. Konkret bedeutete dies, Konzentration auf ein attraktives Sortiment mit den am meisten nachgefragten Varianten eines Produkts wie z.B. dem Fotobuch und ein bewusster Verzicht auf weitere Variationen derselben. Die Welt per se ist komplex genug, als Unternehmen wollen wir die Komplexität für unsere Kundinnen und Kunden sowie für uns selbst möglichst gering halten.

Hannes Schwarz, du wiederum bist seit 2013 im Familiengeschäft tätig. Wie ist es dazu gekommen?

Genau, gestartet bin ich im Marketing und wechselte danach zu den Finanzen. Als mein Bruder Filip sich 2018 entschloss, seine Zukunft ausserhalb unseres Familienunternehmens zu gestalten, packte ich die Chance mit Unterstützung des VRs und meines Vaters – und bin nun seit zwei Jahren leidenschaftlicher CEO.

War schon immer klar, dass ifolor ein Familienbetrieb bleibt? Und wie ist es mit dem Standort Kreuzlingen?

Absolut. Die Firmenkultur eines Familienunternehmens ist einfach eine andere. Wir denken langfristig, wir haben kurze Entscheidungswege, wir leisten uns keine „politischen“ Handlungen, wir spüren die Resultate unserer Entscheide zeitverzögert am eignen Leib – und dies in beide Richtungen.

Wir sind in Kreuzlingen verwurzelt, unsere Familie wohnt in der Gegend und unsere Firma ist seit vielen Jahren einer der grössten Arbeitgeber der Region. Wir hatten das grosse Glück, all die Jahre trotz Automatisierung keine Entlassungen aussprechen zu müssen. Im Gegenteil, wir haben durch für uns neue Berufsbilder und neue Absatzmärkte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können. Darauf sind wir stolz.

Jubiläumsjahr 2021. 60 Jahre sind seit der Gründung des Fotoserviceanbieters vergangen. Eine spannende Wandlung vom “kleinen” Familienbetrieb in den 60er Jahren zum Marktführer in der Schweiz und in Finnland. ifolor wurde Ende 2020 mit dem GfM-Marketingpreis ausgezeichnet, ist aktuell in fünfzehn Ländern tätig und beschäftigt rund 250 Mitarbeitende.